Hallo,
Tiere wissen nicht, was gut für sie ist. Weder Haus- noch Wildtiere.
Dies wäre auch eine absolut unvorteilhafte Eigenschaft. Denn diese Tiere könnten nie einen fremden Lebensraum besiedeln, wenn sie immer nur fressen würden, wovon sie wissen, dass es gut ist.
Aber jedes Säugetier, egal ob Haus- oder Wildtier, besitzt die Fähigkeit zu lernen. Junge Tiere beobachten ältere Artgenossen und lernen, was sie fressen können und was nicht. Gleichzeitig aber lernen sie auch durch ausprobieren. Neues Futter wird oft nur in sehr geringen Mengen gefressen, bringt es negative Folgen (z.B. Bauchschmerzen) wird es in Zukunft gemieden.
Genauso sind die Tiere in der Lage zu lernen, ihre nötigen Nährstoffbedarf durch die Auswahl des richtigen Futters selbst zu decken.
Dies wurde in Studien an verschiedenen Tierarten bereits mehrfach nachgewiesen und wird immer noch erforscht. Wie genau dieser Lernvorgang erfolgt, ist noch nicht komplett bekannt.
Aber das bedeutet nicht, dass man seinem Haustier alles selbst überlassen kann. Erstens gibt es Futter, wo ein einmaliges ausprobieren den Tod bedeutet. Weiterhin wird ein Tier sich nicht zurückhalten, was das eigene Gewicht angeht, denn Probleme mit Übergewicht haben Wildtiere einfach selten. Energiereiche Nahrung ist also für sie vorteilhaft, für unsere Haustiere aber nicht.
Zudem gibt es Futtermittel, deren Schäden schleichend sind, ein Lernerfolg stellt sich also nicht ein. Folgen die Bauchschmerzen z.B. nicht direkt nach dem Fressen des Futtermittels, so kann keine richtige Verknüpfung aufgebaut werden. Manchmal werden sogar falsche Verknüpfungen gebildet, so rühren einige mit handelsüblichen TroFu gefütterte Kaninchen kein Frischfutter an, weil sie gelernt haben, dass dies zu Bauchschmerzen führt. Dass es aber das handelsübliche TroFu ist, dass in Verbindung mit dem Frischfutter zu Bauchschmerzen führt, können die Kaninchen nicht wissen.
Weiterhin werden die meisten Haustiere so falsch ernährt, dass nicht genügend Auswahl zur Verfügung steht, damit die Tiere vernünftig wählen und lernen können.
Beispiel, passend zum Thema:
Benötigt ein Kaninchen dringend Energie, weil es im Wachstum ist oder zur Zucht verwendet wird, bekommt aber nur Heu und rohe Kartoffel (also nichts anderes Energiereiches) wird es die rohen Kartoffeln fressen, weil es gar keine andere Wahl hat. Egal ob gesund oder nicht.
Zudem ist es bekannt, dass bestimmte Stoffe im Weizen dazu führen können, dass die Tiere nicht mehr in der Lage sind, falsches von richtigem Futter zu unterscheiden. So sind einige Kaninchen, die mit handelsüblichem Trockenfutter gefüttert werden, wirklich nicht mehr im Besitz der Fähigkeit, richtiges Futter zu wählen.
Werden Kaninchen auch noch falsch gehalten, haben z.B. nichts anderes zu tun als das vorlegte Futter aus dem Napf zu fressen, kann auch aus Langeweile alles gefressen werden, was zu erreichen ist. Traurige Todesfälle gab es hier z.B. schon durch Minerallecksteine, die in großen Mengen gefressen wurden.
Auch ist die Aufzucht vieler Kaninchen so katastrophal, dass viele Kaninchen von vorneherein Defizite haben.
Letztendlich darf man sich also nicht darauf verlassen, das Kaninchen nur fressen, was gut für sie ist. Das kann fatale Folgen haben.
Denn es funktioniert aus verschiedenen Gründen einfach nicht bei jedem Futtermittel und nicht bei jedem Kaninchen.
Aber funktionieren kann es definitiv, so kann man z.B. Schlussfolgerungen daraus ziehen, wenn ein bestimmtes Futtermittel (z.B. ein bestimmtes Kraut) vermehrt oder geradezu gierig verschlungen wird. Dies kann ein Hinweis auf sein, dass eine Mangelerscheinung oder eine Krankheit vorliegt.
Zum Thema Kartoffel:
Rohe Kartoffeln sollte nicht gegeben werden, da die vorhandene Stärke schlecht verdaulich ist und hauptsächlich Bakterien im Bilddarm zur Verfügung steht, welche sich dadurch rasant vermehren können. Folge ist also eine zerstörte Darmflora.
Gekocht enthalten Kartoffel auch viel Stärke, aber besser verdaulich. Allerdings sollten ausschließlich Tiere, die Energiebedarf haben, solch energiereiches Futter bekommen. Und auch hier nur in geringen Mengen. Ansonsten schadet es mehr, als es nützt.
Kartoffelschalen sind umstritten. Sie enthalten jedenfalls kaum Stärke und wertvolle Mineralien, da diese in der Schale gespeichert werden (gilt dann natürlich auch für jegliche Gifte).
Grüne Stellen sind giftig und müssen immer entfernt werden.
Dass nasses Gras giftig ist, ist völliger Unsinn. Es gibt eben verschiedene Mythen in der Kaninchenernährung (wie überall anders eben auch), die nicht so ganz der Wahrheit entsprechen. Vor allem, wenn etwas mündlich oder schriftlich weitergegeben wird, Teile verloren gehen, missverstanden werden oder aus Erfahrungen falsche Schlüsse gezogen werden.
Auch gibt es natürlich viele unterschiedliche Meinungen und Ansichten. Und vor allem gibt es nicht immer nur schwarz und weiß, sprich richtig und falsch.
Gefährlich wird jedes nasse Futter, dass in der Wärme liegt. Dann vermehren sich Bakterien, das Futter fängt an zu gären und kann dem Kaninchen schaden.
Aber nasses Gras an sich ist kein Problem, es muss nur wie jedes andere Futter langsam angefüttert werden. Dann kann man die Tiere auch in den frühen Morgenstunden bedenkenlos auf die Weide lassen.
Glückwunsch an alle, die den Beitrag bis hierher gelesen und möglicherweise auch noch verstanden haben.
